26. März 2003
Theater an der Michael-Schule: Vorhang auf für Ihre Hoheiten

Griesheim. Für die Mädchen und Jungen der 9. Klasse der Michael-Schule war es ein besonderes Erlebnis: Wochenlang haben sie geprobt, Texte auswendig gelernt und Tanzschritte eingeübt. Das Lampenfieber hat sich gelohnt: Bei der Aufführung von "Anait" klappt alles reibungslos, das Publikum ist hingerissen.
In der Michael-Schule, einer privaten Sonderschule, in der behinderte Kinder und Jugendliche auf Grundlage der Waldorf-Pädagogik unterrichtet werden, hat das Theaterspielen Tradition. Oft führen die Abschlussklassen ein Stück auf.
"Das Theaterspielen ist wichtig, weil es das Selbstvertrauen stärkt und außerdem eine deutliche und klare Aussprache fördert", sagt Lehrerin Dorothea Ehm, die das jüngste Stück mehrere Wochen lang mit den Schülern einstudiert hat. Bei den Proben standen zunächst Bewegungsspiele im Vordergrund. Dann wurden Gebärden geübt und an der Sprachgestaltung gefeilt: "Es ging darum, wie sich mit verschiedenen Gebärden und Sprachmitteln die unterschiedlichen Gefühle ausdrücken lassen."
Schließlich erarbeitete sich die Klasse das Stück, Szene für Szene. Alle vierzehn Schüler haben dabei eine Rolle übernommen. Ganz einfach war das Proben nicht, schon allein deshalb, weil die Handlung komplex ist. Ein armenisches Märchen bildet die Vorlage: Die arme, aber begabte Anait verlangt vom Zarensohn Watschagen, dass er ein Handwerk erlernt, bevor sie seine Frau wird. Jede Menge Verwicklungen stehen dem Glück der beiden im Wege. So muss der schwarze Fürst überlistet und der Zarensohn aus dem Kerker befreit werden. Doch das Happy End naht.
"Besonders die Kerkerszene fanden die Jugendlichen spannend, die haben wir mit entsprechender Musik etwas gruselig ausgestaltet", sagt Dorothea Ehm. Bei der Produktion des Theaterstücks sei das gesamte Kollegium eingebunden gewesen. So musste unter anderem eigens eine Kulisse gezimmert werden, die zwischen den einzelnen Szenen geschickt umgestellt werden konnte. Die Musik, zu der die Kinder auf der Bühne tanzen und singen, wurde ebenfalls eigens für das Theaterstück geschrieben: Harti Heider, die seit Anfang des Schuljahres an der Michael-Schule unterrichtet, komponierte die Musik und übte sie auch mit den Schützlingen. Kollegin Carole Liebert übernahm die Aufgabe, die Tänze mit den Jugendlichen einzuüben. (cdt)