31.03.2003
Michael-Schule weihte festlich das neue Außengelände und das Werkstatthaus ein
Mehr Platz zum Spielen & Lernen

Alles neu in der Michael-Schule: Nachdem Lehrer, Eltern und Kinder Anfang des Monats erst den Pausenhof umgestaltet und Spielgeräte wie diese Rutsche aufgestellt haben, konnte jetzt auch noch das neue Werkstatthaus (hinten) eingeweiht werden. Foto: Weis
Von Carmen Schmidt
Griesheim. Der Werkunterricht hat in der Michael-Schule, in der auf Grundlage der Waldorfpädagogik behinderte Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, eine ganz besondere Bedeutung. Im Umgang mit verschiedenen Materialien wie Ton, Holz, Papier und Weide werden Tastsinn und Formempfinden geschult. Außerdem gibt es in der Michael-Schule eine so genannte Werkstufe, in der die Jugendlichen nach Abschluss der zehnten Klasse über zwei Jahre hinweg handwerkliche Fähigkeiten erwerben. Noch bis vor kurzem war der Werkunterricht im Hauptgebäude der Schule untergebracht.
"Einige Werkarbeiten konnten dort allerdings nicht ausgeführt werden, weil der Lärm die anderen Klassen gestört hätte", berichtet Olaf Stegemann, Geschäftsführer des Trägervereins der privaten Sonderschule. Deshalb entschloss sich die Michael-Schule, ein separates Werkstattgebäude zu errichten. Das Architekturbüro Christoph Mäckler, das auch schon das sternförmige HauptgebÄude der Schule entworfen hatte, wurde mit der Planung beauftragt. Im vergangenen Jahr wurde das Werkstattgebäude dann fertig gestellt, bereits seit Oktober wird das Gebäude von den Schülern genutzt.
Beim Tag der offenen Tür am Samstag fand nun die offizielle Einweihung statt und bot Besuchern die Möglichkeit, den Neubau in Augenschein zu nehmen. Die Fassade des Werkstattgebäudes hat denselben warmen Braunton wie die des Hauptgebäudes. Im Gegensatz zu dessen Sternform haben sich die Architekten beim Neubau für eine einfache Riegelform entschieden, um so das Schulgelände an dieser Seite klar zu seiner Umgebung abzuschließen.
Auf rund 150 Quadratmetern Nutzfläche gibt es dort ausreichend Platz für den Werkunterricht und die Lagerung der Materialien und Geräte. Im Erdgeschoss des Gebäudes befinden sich zwei RÄume sowie die Sanitäranlagen. Im kleineren der beiden Räume werden die Schüler der Klassen fünf bis zehn unterrichtet. Auch ein Ofen zum Brennen von Ton befindet sich in diesem Raum.
Ton und Holz gehören zu den Materialien, mit denen die Mädchen und Jungen der Mittelstufe in erster Linie arbeiten. Vom einfachen Rindenschiffchen in der fünften Klasse steigert sich die Komplexität der Werkarbeiten bis hin zu beweglichem Spielzeug, bei dessen Herstellung die Schüler auch die damit verbundene technische Seite kennen lernen.
Gleich nebenan im größeren Werkraum findet der Unterricht der Werkstufe statt. Die Jugendlichen der elften und zwölften Klasse erwerben hier nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern erfahren unter anderem auch das gemeinsame Arbeiten in der Gruppe. "In der Mittelstufe fertigen die Schüler etwas, das ihnen gehört und das sie ihren Eltern zeigen können", erläutert Werklehrer Matthias Röhrig. "In der Werkstufe geht es darum, dass die Jugendlichen gemeinsam an etwas arbeiten, das einem Dritten zu Gute kommt." Die sozialen und handwerklichen Fähigkeiten, die in der Werkstufe vermittelt werden, sollen die Jugendlichen auf das Leben nach der Schule vorbereiten.
Ein weiterer kleiner Raum im ersten Stock des Werkstattgebäudes war zwar ursprünglich als Lagerraum vorgesehen. Jetzt aber soll auch dieser Raum von Schülern genutzt werden können.
Rund 500 000 Euro hat das neue Werkstattgebäude gekostet, einen Großteil dieser Summe hat die Schule selbst aufgebracht. Die Aktion Mensch förderte das Projekt mit rund 130 000 Euro, weitere 75 000 wurden gespendet. Auch für die Zukunft hat sich die Schulgemeinde noch so einiges vorgenommen. So muss die Außenanlage der Schule neu bepflanzt werden.
Außerdem steht die Renovierung der Küche an. "Die Küche ist zwar erst fünf Jahre alt, muss aber jetzt den neuesten gesetzlichen Bestimmungen angepasst werden", erläutert Olaf Stegemann. Zudem würde die Schule in den Klassenräumen gerne Holzdecken einziehen lassen.
Angesichts der Ausgaben, die von der Schule in nächster Zeit geschultert werden müssen, kam das Einweihungsgeschenk von Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne) gerade recht: Die Politikerin verkündete beim Tag der offenen Tür, die Stadt werde künftig auf den Erbbauzins verzichten, den die Michael-Schule jährlich für das von der Stadt gepachtete Grundstück zahlen muss.