Neue Presse Printausgabe vom 31.03.2006

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse,
Tageszeitung für Frankfurt am Main,www.fnp.de

Michael-Schule: Das ist der Geist, der stets verneint


Griesheim. „Welch ein Schauspiel!“ Dieses Zitat aus Goethes „Faust I“ passt auch auf die Inszenierung des Klassikers an der Michael-Schule. Gemeinsam haben die Schüler der Klassen fünf bis zwölf und ihre Lehrer ein starkes Stück Theater auf die Bühne der Waldorfschule gebracht. Heute feiert das Stück Premiere, für allzu großes Lampenfieber besteht für die Schauspieler und Helfer nach der gelungenen Generalprobe jedoch kein Grund mehr.


Um die Geschichte des Gelehrten Faust, der seine Seele an den Teufel verkauft, um seinen Wissensdurst zu stillen, und erst zu spät merkt, auf was für einen Handel er sich da eingelassen hat, auf die Schulbühne zu bringen, haben Merten Roettig und Matthias Röhrig den Originaltext um gut zwei Drittel gekürzt. Sie sind Lehrer an der Sonderschule, an der lernschwache und geistig behinderte Schüler unterrichtet werden. Roettig und Röhrig schlüpfen im ersten Teil der Aufführung auch in die Rollen des Gelehrten Faust und seinem teuflischen Verführer Mephisto. „Dieser Part ist enorm textlastig, mehr kürzen konnten wir jedoch nicht, sonst ist die Geschichte nicht mehr stimmig.“


Doch nach der Pause werden die Hauptrollen von Schülern übernommen: Matthias Löwe (17) gibt den Faust, Tim Munske (17) den Mephisto, Stephanie Sterling (16) das Gretchen und Doreen Hansen (17) ihre Nachbarin Marthe. An der Inszenierung beteiligt sind 60 Schüler. Die fantastischen Figuren des Stücks bieten Rollen genug: So schlagen die Fünftklässler als „Kleine Geister“ Faust in den Bann, die Schüler der Sechsten sorgen für buntes Treiben beim Ostertanz. Die Achtklässler spielen die Soldaten und als „Meerkatzen“ hinterlassen die Zehntklässler einen bleibenden Eindruck.


Allen Mitwirkenden einen Zugang zu dem komplexen Werk zu ermöglichen sei kein Problem gewesen, erzählt Merten Roettig: „Das Stück bietet ein Verständnis auf mehreren Ebenen an. Die Kleinen begreifen den Teufel ganz bildlich, wie beim Puppentheater, für Jugendliche ist dagegen die Gretchen-Geschichte sehr spannend.“ „Wir haben lange überlegt, wie wir es umsetzen können. Das ist schließlich ein gewaltiges Stück, gerade für unsere Schule.“ Das Experiment ist geglückt: Den jungen Schauspielern ist ihre große Aufregung nicht anzumerken, und ihre Rollen beherrschen sie perfekt. Mit einem Chor aus Eltern und Lehrern und Schauspielern, die mit im Publikum sitzen, ist der „Faust“ hier ein großes Gemeinschaftserlebnis. 


Zwei Mal ist der „Faust I“ an der Michael-Schule am Eichhörnchenpfad zu sehen: Heute, und am Samstag, 1. April, jeweils um 18 Uhr.


Bild von der Aufführung